Die Hand: Kleines Wunder, Große Bedeutung

  • Johannes Lorenz
  • 3 Min. Lesezeit

Ob Greifen, Tasten, Schreiben oder Kommunizieren – kaum eine Handlung kommt ohne die Hände aus. Ihre komplexe Anatomie ermöglicht feinste motorische Fähigkeiten, macht sie aber auch anfällig für Verletzungen und Erkrankungen. Die Handorthopädie widmet sich der Diagnose, Behandlung und Wiederherstellung dieser empfindlichen Strukturen – mit dem Ziel, Mobilität, Funktion und Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen.

„Die Hand ist ein großartiges, aber auch ein sehr stark beanspruchtes ‚Organ‘. Sie verdankt ihre außergewöhnliche Beweglichkeit und Funktionalität dem diffizilen Zusammenspiel von Muskeln, Knochen, Gelenken sowie Gefäß- und Nervenstrukturen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Sebastian Farr, Facharzt für Orthopädie & Handchirurgie.

Er weist darauf hin, dass „genau diese Komplexität dazu führt, dass bereits kleinste Störungen bzw. Pathologien große Beschwerden und Beeinträchtigungen der Alltagsfunktion zur Folge haben können“. Vor allem Menschen, die in Berufen mit viel manueller Tätigkeit arbeiten und großen Belastungen ausgesetzt sind, haben häufig mit Reizerscheinungen oder Arthrosen zu kämpfen. Aber auch angeborene Erkrankungen gibt es – dazu zählen genetisch bedingte Fehlbildungen oder Traumafolgen, die das komplexe Gefüge von Hand- und oberer Extremität beeinträchtigen können.

Dafür braucht es den Handchirurgen

Von degenerativ bis traumatisch bedingt – es gibt viele Probleme, von denen die Hände betroffen sein können: Die häufigsten sind Nervenengpasssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom oder Sulcus-Ulnaris-Syndrom im Ellbogenbereich sowie degenerative Erkrankungen wie Fingerarthrosen, Rhizarthrose (Daumen) oder Handgelenksarthrose. Auch Sehnenscheidenentzündungen, Ganglionzysten oder Morbus Dupuytren, eine Kontraktur im Hohlhand- bzw. Fingerbereich, sind häufig. Zudem benötigen viele Patient:innen arthroskopische Eingriffe aufgrund von Bandverletzungen – beispielsweise nach Sportunfällen.

Modernste Technik im Einsatz

Um die Hände möglichst rasch wieder einsatzfähig zu bekommen, sind mitunter orthopädisch-chirurgische Eingriffe notwendig – dafür gibt es eine Reihe an innovativen Methoden mit denen bestmögliche Ergebnisse erzielt werden können. „Freier Gewebetransfer (Mikrochirurgie), neueste Implantate im Gelenksbereich oder auch homologe Knochenmaterialien wie die ‚Knochenschraube‘ zählen ebenso dazu wie die Arthroskopie, die in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte erzielt hat – sodass viele Probleme minimal-invasiv adressiert werden können“, so Dr. Farr zu einem wesentlichen Aspekt einer zeitgemäßen Behandlung und Versorgung von Patient:innen.

Wie vorbeugen?

Auch wenn bei alters- oder beanspruchungsbedingten Abnutzungserscheinungen eine Vorsorge im engeren Sinn schwierig ist: „Gleichmäßige Bewegung und somit die ‚Schmierung‘ der Gelenke im Handbereich hat sich durchaus als vorteilhaft erwiesen. Wobei Patient:innen mit lockeren, instabileren Gelenken aufpassen sollten, dabei keine Verletzung zu erleiden. Für sie ist die Ergotherapie zur Kräftigung der Hand- und Unterarmmuskulatur und indirekten Stabilisierung der Gelenke eine gute Wahl“, empfiehlt Dr. Farr.

Hilfe für kleine Hände

Wenn Eltern merken, dass ihr Kind Bewegungen der Hand oder Finger meidet, Schwierigkeiten beim Greifen hat oder über Schmerzen klagt, braucht es eine handorthopädische Untersuchung. Auch auffällige Fehlstellungen, eingeschränkte Beweglichkeit, Schwellungen, ungleiche Fingerlängen oder andere sichtbare Asymmetrien der Hände sind Warnzeichen – bei Säuglingen kann ein fehlender Greifreflex ein Hinweis sein.

Mögliche Diagnosen

• Angeborene Fehlbildungen

• Wachstumsstörungen der Knochen oder Sehnen

• Zysten oder Tumore

• Verletzungsfolgen nach Brüchen oder Sehnenrissen

• Funktionseinschränkungen durch neurologische Ursachen.

Dank mikrochirurgischer Techniken, spezieller Kinder-Orthesen und individualisierter Rehabilitationsprogramme können viele Fehlstellungen heute frühzeitig und schonend behandelt werden. Auch minimalinvasive Eingriffe sowie interdisziplinäre Ansätze mit Ergotherapie und Physiotherapie gehören zu einem modernen Behandlungskonzept.

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