Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie: Wie die gezielte Nuklearmedizin neue Möglichkeiten bei fortgeschrittenem Prostatakrebs eröffnet
Was ist die Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie und für wen kommt sie infrage?
Theranostik verständlich erklärt: Wenn Diagnostik und Therapie dasselbe Ziel nutzen
Die Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie folgt dem Prinzip der Theranostik: Dasselbe biologische Tumormerkmal wird zunächst sichtbar gemacht und anschließend gezielt therapeutisch genutzt.
Bei Prostatakrebs ist dieses Zielmerkmal das prostataspezifische Membranantigen, kurz PSMA. Es kommt auf vielen Prostatakrebszellen in erhöhter Menge vor. Mit einer PSMA-PET/CT lässt sich zunächst untersuchen, ob und wo sich PSMA-positive Tumorherde im Körper befinden.
Zeigt die Untersuchung eine ausreichende PSMA-Aufnahme, kann dieses Merkmal anschließend für die Therapie genutzt werden. Bei der Lu-177-PSMA-Therapie wird ein Wirkstoff mit dem radioaktiven Isotop Lutetium-177 verbunden. Der Radioligand bindet an PSMA und bringt die therapeutische Strahlung damit gezielt in die Nähe der Tumorzellen. Die Strahlung hat eine begrenzte Reichweite und kann dadurch die Zellen am Zielort schädigen.
Das theranostische Prinzip lässt sich vereinfacht als Zusammenspiel von vier Schritten verstehen:
- PSMA als Zielstruktur
- Nachweis über PSMA-PET/CT
- gezielte Bindung des therapeutischen Radioliganden
- lokale Abgabe therapeutisch wirksamer Strahlung
Das Verfahren verbindet damit moderne Diagnostik und gezielte Therapie in einem Behandlungskonzept.
Für welche Patienten eine Lu-177-PSMA-Therapie geeignet sein kann
Eine Lu-177-PSMA-Therapie kommt nicht automatisch für jede Person mit Prostatakrebs infrage. Entscheidend sind unter anderem die Erkrankungssituation, bisherige Behandlungen, die PSMA-Expression der Tumorherde sowie der allgemeine Gesundheitszustand.
Die derzeitige EU-Zulassung von Pluvicto®, einem Lutetium-177-PSMA-Radiopharmakon, bezieht sich auf Erwachsene mit progressivem, PSMA-positivem, metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), die zuvor mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor und einer Taxan-basierten Chemotherapie behandelt wurden.
Für die ärztliche Entscheidung können daher unter anderem folgende Aspekte eine Rolle spielen:
- fortgeschrittene bzw. metastasierte Erkrankung
- ausreichende PSMA-Expression der Tumorherde
- bisheriger Therapieverlauf
- Blutbild und Organfunktion
- allgemeiner Gesundheitszustand
- individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung
Die Entscheidung sollte in einem spezialisierten Team und auf Grundlage der aktuellen medizinischen Befunde getroffen werden. Auch die jeweils geltende Zulassung und individuelle Behandlungssituation müssen berücksichtigt werden.
Warum vor der Therapie eine PSMA-PET/CT entscheidend ist
Die PSMA-PET/CT ist ein zentraler Bestandteil der Abklärung vor einer Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie. Sie kann sichtbar machen, ob relevante Tumorherde PSMA aufnehmen und damit grundsätzlich für einen PSMA-gerichteten Therapieansatz geeignet sein können.
Die Untersuchung verbindet zwei Verfahren: Die PET zeigt die Verteilung des PSMA-bindenden Tracers im Körper, während die CT die anatomische Zuordnung der auffälligen Bereiche ermöglicht. So können beispielsweise Tumorherde und Metastasen genauer lokalisiert werden.
Für die Therapieplanung sind dabei insbesondere folgende Fragen relevant:
- Zeigen die Tumorherde eine ausreichende PSMA-Aufnahme?
- Wo befinden sich die relevanten Tumorherde?
- Ist die Erkrankung für eine PSMA-gerichtete Therapie geeignet?
- Welche Ausgangsbefunde stehen für spätere Verlaufskontrollen zur Verfügung?
Die PSMA-PET/CT ist damit weit mehr als eine reine Momentaufnahme. Sie kann eine wichtige Grundlage für die Auswahl geeigneter Patienten und für die weitere Therapieplanung bilden.
Wie läuft eine Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie ab und wie wird der Verlauf kontrolliert?
Von der Infusion bis zum nächsten Zyklus: So läuft die Behandlung typischerweise ab
Die Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie wird typischerweise nicht als einmalige Behandlung, sondern in mehreren Therapiezyklen durchgeführt. Das radioaktiv markierte Arzneimittel wird intravenös verabreicht. Vor jedem Behandlungstermin wird geprüft, ob die Therapie unter den aktuellen medizinischen Voraussetzungen durchgeführt werden kann.
Nach der Verabreichung gelten individuelle strahlenhygienische Vorgaben. Das liegt daran, dass das verabreichte Radiopharmakon selbst radioaktiv ist und der Körper einen Teil der Substanz wieder ausscheidet. Das Behandlungsteam informiert den Patienten und seine Angehörigen, die mit dem Patienten in einem Haushalt leben oder ihn zu den Therapiezyklen begleiten, daher genau darüber, welche Verhaltens- und Hygienemaßnahmen nach der Therapie zu beachten sind.
Der Ablauf kann vereinfacht folgende Schritte umfassen:
- medizinische Kontrolle vor dem Therapiezyklus
- intravenöse Verabreichung des Radiopharmakons
- Beobachtung und Betreuung nach der Behandlung
- individuelle strahlenhygienische Anweisungen
- Kontrollen vor dem nächsten Zyklus
- Planung des weiteren Therapieverlaufs
Die Anzahl der Zyklen und die Intervalle richten sich nach dem individuellen Befund und dem Behandlungskonzept, derzeit plant man meist bis zu 6 Zyklen im Abstand von mindestens 4 Wochen.
Welche Nebenwirkungen und Kontrollen während der Therapie relevant sind
Auch wenn die Lu-177-PSMA-Therapie gezielt auf PSMA-positive Tumorzellen ausgerichtet ist, kann die Behandlung Nebenwirkungen verursachen. Deshalb wird der Gesundheitszustand während der Therapie regelmäßig kontrolliert.
Zu den möglichen Beschwerden gehören beispielsweise Müdigkeit und Übelkeit. Darüber hinaus können Veränderungen des Blutbildes auftreten. Auch die Nierenfunktion wird überwacht, da die Ausscheidung des Radiopharmakons über die Nieren erfolgt. Ein weiterer Aspekt sind die Speicheldrüsen, da PSMA auch außerhalb von Tumorzellen in bestimmten Geweben vorkommt.
Zu den wichtigen Kontrollbereichen gehören daher unter anderem:
- Blutbild
- Nierenfunktion
- allgemeiner Gesundheitszustand
- mögliche Müdigkeit oder Übelkeit
- mögliche Beschwerden im Bereich der Speicheldrüsen
Welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist individuell unterschiedlich. Das behandelnde Team wägt deshalb Nutzen und mögliche Risiken sorgfältig ab und passt die weitere Behandlung an die jeweilige Situation an.
Wie Szintigraphie und PET/CT zeigen, ob die Therapie ihr Ziel erreicht
Bildgebung begleitet eine Radioligandentherapie nicht nur vor Behandlungsbeginn. Auch nach der Verabreichung und im weiteren Therapieverlauf können nuklearmedizinische Untersuchungen wichtige Informationen liefern.
Eine posttherapeutische Szintigraphie kann zeigen, wie sich das verabreichte Radiopharmakon im Körper verteilt. Dadurch lässt sich nachvollziehen, ob die Substanz an den erwarteten Stellen aufgenommen wurde.
Im weiteren Verlauf kann eine PET/CT dazu beitragen, Veränderungen der Erkrankung zu beurteilen und die aktuellen Befunde mit den Ausgangsuntersuchungen zu vergleichen.
Je nach Behandlungskonzept können dabei verschiedene Fragestellungen im Vordergrund stehen:
- Wie verteilt sich das Radiopharmakon im Körper?
- Welche Tumorherde zeigen eine Aufnahme?
- Wie verändert sich die Erkrankung im Verlauf?
- Wie ist das Therapieansprechen einzuschätzen?
- Welche weiteren Behandlungsschritte sind sinnvoll?
Der genaue Zeitpunkt der jeweiligen Verlaufskontrollen wird individuell festgelegt und richtet sich unter anderem nach dem Therapieschema und dem klinischen Verlauf.
Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie an der Wiener Privatklinik: Nuklearmedizin und PET/CT im Radiology Center
Warum das Radiology Center der Wiener Privatklinik für Theranostik besonders relevant ist
Das Theranostik-Prinzip lebt davon, dass diagnostische Informationen und therapeutische Entscheidungen eng miteinander verbunden werden können. Genau hier spielt die Kombination aus moderner Bildgebung, Nuklearmedizin und interdisziplinärer medizinischer Zusammenarbeit eine wichtige Rolle.
Das Radiology Center der Wiener Privatklinik vereint radiologische und nuklearmedizinische Bildgebung. Zum Angebot gehören unter anderem PET/CT, CT, MRT, Ultraschall und nuklearmedizinische Untersuchungen. Durch die Radiologie im Haus ist zudem eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen medizinischen Fachbereichen, darunter insbesondere der Onkologie, möglich.
Für die Abklärung und Begleitung von Patienten mit onkologischen Fragestellungen sind insbesondere folgende Bereiche relevant:
- Nuklearmedizin
- PSMA-PET/CT
- Szintigraphie
- radiologische Bildgebung
- onkologische Expertise
- interdisziplinäre Abstimmung
Der Vorteil liegt dabei nicht allein in der technischen Ausstattung. Entscheidend ist auch die fachärztliche Einordnung der Untersuchungsergebnisse und deren Einbindung in den individuellen Behandlungskontext.
Wie PSMA-PET/CT, Therapie und Nachkontrolle an der WPK zusammenspielen
Der besondere Vorteil eines theranostischen Behandlungspfades liegt darin, dass Diagnostik, Therapieplanung und Verlaufskontrolle eng miteinander verbunden werden können.
Am Anfang steht die diagnostische Abklärung. Eine PSMA-PET/CT kann zeigen, ob und wo PSMA-positive Tumorherde vorhanden sind. Bereits vorhandene Bilddaten können dabei – abhängig von ihrer Qualität und Aktualität – ebenfalls in die fachärztliche Beurteilung einbezogen werden.
Auf dieser Grundlage kann anschließend geprüft werden, ob eine Lu-177-PSMA-Therapie im individuellen Fall infrage kommt. Die Entscheidung über die weitere Behandlung erfolgt unter Berücksichtigung der medizinischen Gesamtsituation und der jeweils geltenden Therapieanforderungen.
Der Behandlungspfad lässt sich vereinfacht darstellen als:
- aktuelles PSMA-PET/CT
- fachärztliche Beurteilung der Bildgebung
- Prüfung der individuellen Therapieeignung
- interdisziplinäre Therapieentscheidung
- Lu-177-PSMA-Therapie
- posttherapeutische Bildgebung
- Verlaufskontrolle und Beurteilung des Therapieansprechens
Von PSMA bis DOTATATE: Warum das Theranostik-Prinzip über Prostatakrebs hinaus relevant ist
Das Prinzip der Theranostik ist nicht auf PSMA und Prostatakrebs beschränkt. Auch bei anderen Tumorerkrankungen können bestimmte biologische Zielstrukturen zunächst diagnostisch sichtbar gemacht und anschließend therapeutisch genutzt werden.
Ein bekanntes Beispiel sind neuroendokrine Tumoren. Hier können bestimmte Rezeptoren mithilfe eines diagnostischen Radiotracers dargestellt werden. Zeigt die Bildgebung eine entsprechende Aufnahme, kann bei geeigneten Patienten ein therapeutisch wirksames Radiopharmakon genutzt werden, das an dieselbe Zielstruktur bindet.
Das Grundprinzip bleibt dabei ähnlich:
- diagnostischer Tracer
- Nachweis einer geeigneten Ziel- bzw. Rezeptorstruktur
- therapeutisches Radiopharmakon
- gezielte Abgabe von Strahlung am Zielort
Bei der PSMA-Radioligandentherapie ist die Zielstruktur PSMA. Bei bestimmten neuroendokrinen Tumoren können hingegen Somatostatinrezeptoren angesprochen werden. Damit zeigt sich, dass Theranostik ein übergreifendes Konzept der modernen Nuklearmedizin ist.
Häufige Fragen zur Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie
Was ist eine Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie?
Die Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie ist eine zielgerichtete nuklearmedizinische Behandlung bestimmter Prostatakrebserkrankungen. Dabei wird ein Wirkstoff mit dem radioaktiven Isotop Lutetium-177 verbunden. Dieser Radioligand kann an PSMA auf Prostatakrebszellen binden und dort therapeutisch wirksame Strahlung abgeben. Voraussetzung für eine solche Behandlung ist unter anderem, dass die Tumorherde ausreichend PSMA aufweisen. Ob die Therapie infrage kommt, wird daher unter anderem mithilfe einer PSMA-PET/CT beurteilt.
Für wen kommt eine Lu-177-PSMA-Therapie infrage?
Das hängt von der individuellen Erkrankungssituation ab. Die derzeitige EU-Zulassung von Pluvicto® betrifft Erwachsene mit progressivem, PSMA-positivem, metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die zuvor mit bestimmten hormonellen Therapien und einer Taxan-basierten Chemotherapie behandelt wurden.
Darüber hinaus müssen unter anderem die PSMA-Aufnahme, der Allgemeinzustand sowie Blutbild und Organfunktion berücksichtigt werden. Die endgültige Entscheidung über eine Radioligandentherapie sollte daher immer individuell durch das behandelnde Fachteam getroffen werden.
Warum ist vor der Therapie eine PSMA-PET/CT notwendig?
Die PSMA-PET/CT hilft zu beurteilen, ob die relevanten Tumorherde ausreichend PSMA aufnehmen. Das ist wichtig, weil die Lu-177-PSMA-Therapie genau an diese Zielstruktur ansetzt. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, wo sich Tumorherde und mögliche Metastasen befinden. Damit kann sie sowohl zur Beurteilung der Therapieeignung als auch zur Planung und späteren Verlaufskontrolle beitragen.
Welche Nebenwirkungen können bei der Radioligandentherapie auftreten?
Wie bei anderen Krebstherapien können auch bei der Lu-177-PSMA-Therapie Nebenwirkungen auftreten. Dazu können unter anderem Müdigkeit, Übelkeit und Veränderungen des Blutbildes gehören. Auch die Nierenfunktion wird regelmäßig kontrolliert. Da PSMA auch in bestimmten gesunden Geweben vorkommt, können beispielsweise die Speicheldrüsen betroffen sein. Das individuelle Nebenwirkungsprofil hängt von verschiedenen Faktoren ab. Deshalb werden Blutwerte, Organfunktionen und mögliche Beschwerden während der Behandlung regelmäßig ärztlich kontrolliert.
Welche Möglichkeiten bietet die Wiener Privatklinik rund um Lu-177-PSMA und PSMA-PET/CT?
Das Radiology Center der Wiener Privatklinik verbindet moderne radiologische und nuklearmedizinische Bildgebung mit der Durchführung spezialisierter nuklearmedizinischer Therapien. Zum diagnostischen Spektrum gehören unter anderem PET/CT und Szintigraphie. Gleichzeitig besteht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Fachbereichen, insbesondere der Onkologie.
Damit lassen sich diagnostische Fragestellungen, bildgebende Verfahren und die medizinische Einordnung eng miteinander verbinden. Im Radiology Center der Wiener Privatklinik erfolgt zudem die intravenöse Gabe des Lutetium-177-markierten Arzneimittels im Rahmen der Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie.
Wenn Sie sich für eine Lu-177-PSMA-Radioligandentherapie interessieren oder eine zweite fachärztliche Einschätzung wünschen, kann Ihre individuelle Situation im Rahmen einer spezialisierten ärztlichen Beratung beurteilt werden.